Eine Briefmarke zu Ehren unseres Handwerks

Am 3. September 2026 hat die schweizerische Post eine Briefmarkenserie dem Thema „Traditionelle Handwerke“herausgegeben und zu meiner Freude ist der 250er Wert unserem Handwerk gewidmet. Meine Freude dauert allerdings schon etwas länger an, denn ich durfte ihre Entstehung mit meinem Fachwissen begleiten.

Das ganze fand im November 25 statt und begann mit einem Mail von Corinne Lutz, der Projektleiterin Briefmarken und Philatelie bei der Schweizerischen Post. Sie stellte mir konkrete Fragen über typisch schweizerische Körbe und unsere Werkzeuge. Meine Antworten waren immer mit Fotos illustriert um meine Anregungen und Kritikpunkte zu erklären. Der Kontakt lief immer über Frau Lutz. Mit Frau Chi Lui Wong, die als wissenschaftliche Illustratorin in Winterthur arbeitet und die Briefmarken gestaltete, gab es keinen direkten Austausch.

Runder Boden

Als erstes erhielt ich zwei Entwürfe der ganzen Serie. Leider darf ich die nicht zeigen, weil die Post nur die Originale im Umlauf haben will. Der eine Entwurf enthielt in unserem Fall nur einen Korb und, schön aufgereiht, einen Weidenbund und ein paar Werkzeuge. Der zweite zeigte weniger Werkzeug und dafür im Hintergrund noch einen runden Boden. Ich favorisierte den zweiten, weil der mit dem Boden eher nach Werkstatt „roch“, während der erste eher museal wirkte. Dieser Entwurf wurde in der Folge weiter entwickelt. Er passte auch besser zum Hauptkriterium, nach welchen man die Berufe für die Serie ausgewählt hatte: Die Berufe mussten noch gelebt und ausgebildet werden.

Nach diesem Entscheid wurde die Zahl der dargestellten Werkzeuge reduziert auf solche, die wirklich speziell in unserem Beruf eingesetzt werden: Schlageisen, Ausstecher und Weidenspalter. Zudem verzichtete man auf den Weidenbund, weil er nicht in korrekten Proportionen zu den übrigen Objekten dargestellt werden konnte.

Kravatte

Die erste Skizze des Korbes war noch nicht sehr detailreich. Man erkannte den Zopf, aber das Geflecht entsprach noch einer 0815-Zeichnung. Das selbe galt auch für den Boden, der eher aus einem Bastelbuch für Peddigrohrflechten zu stammen schien. Ich hatte aber mit Frau Lutz ein kompetentes Gegenüber mit einer Ausbildung zur Textildesignerin. Ich lieferte Detailbilder aus meinem Laden und einmal auch einen Auszug aus Kursunterlagen, um mitzuhelfen, die optische Darstellung der Flechttechniken zu verfeinern. Frau Lutz war sehr interessiert, alles korrekt rüber zu bringen, auch wenn vieles schliesslich auf dem kleinen Format an Bedeutung verliert. Als ich zum Beispiel vermerkte, an der Henkelbindung sähe ich, dass es sich beim Muster der Illustratorin um einen Importkorb handelte, musste ich ein Foto der Kravatte liefern, die in der Schweiz am häufigsten dafür angewandt wird. Der Korb erhielt darauf eine Kravatte und auf dem Spezialblatt wurde mein Foto 1 : 1 übertragen. Und darum kann man nun auf der gedruckten Marke mit der Lupe den gefitzten Boden erkennen und am Korb erkennt man Zopf und Kimme. Und wenn man ganz genau hinschaut, kann man auch die Schicht erkennen mit den nach oben dünner werdenden Weiden.

Das ganze lief unter der Devise „topsecret“. Das galt auch noch, als ich der „Lupe“, der Zeitschrift, welche die Schweizerische Post für die Briefmarkensammler herausgibt, eine Lernende vermitteln musste, welche über ihre Motivation, dieses Handwerk zu lernen, Auskunft geben wollte. Mit Selina Meier hatte ich schnell jemanden gefunden und wir haben beide dichtgehalten.

Der Kontakt bis zur endgültigen Fassung hat etwa einen Monat gedauert. Ich fühlte mich sehr ernst genommen und es war eindrücklich, zu erleben, wieviel Detailarbeit in einer Briefmarke steckt, die wir meist doch eher gedankenlos auf einen Brief kleben.

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