Im Dienste der Kunst

Die Künstlerin Johanna Bossart befasst sich in ihrer Arbeit immer wieder mit den Themen Familie und Tradition. Da ihre beiden Eltern auf Bauernhöfen aufgewachsen sind, wollte sie für ihre Arbeit „Familienaufstellung“ drei traditionelle Körbe in neue, aber unbrauchbare Formen weiter entwickeln. Dass dabei auch das Weitergeben von alten Handwerkstechniken thematisiert wird, passte sehr gut in die Ausstellung „Es läuft – vom Instandhalten der Dinge“ im Forum Schlossplatz Aarau, für welche die Ausstellung konzipiert wurde.

Ursprünglich wollte Johanna die Körbe selber flechten und ging dafür zu Therese Leutwyler. Sie merkte allerdings bald, dass man im Flechten nicht auf die Schnelle die gewünschte Qualität hinbekommt. Da Therese die Arbeit nicht übernehmen konnte oder wollte, wandte sie sich an mich.

Ich erhielt eine Skizze mit den drei Körben und Massangaben, welche in den Proportionen nicht mit der Zeichnung übereinstimmten. Zu meiner Beruhigung wollte die Künstlerin die Körbe nicht in Auflösung, also locker geflochten, darstellen. Das wäre nicht zu schaffen gewesen. Nachdem wir uns in einem Treffen über die Masse und wichtige Details geeinigt hatten, konnte die Arbeit beginnen.

Erste Hälfte „Doppelter Kirschkraggen“. – Première étape « Double Kirschkratten »

Den doppelten Kirschkratten machte ich mit einem grösseren Boden. Mit dem sonst bei uns üblichen kleinen Boden und der Bauchung unten hätte ich die gewünschte Krümmung nicht in dem kurzen Radius hinbekommen. Die erste Hälfte konnte ich wie gewohnt auf dem Werkbrett flechten. Für die zweite steckte ich unten neue Steller ins Geflecht des ersten Korbes und musste nun auf den Knien ohne die Orientierung am Werkbrett versuchen, die gleiche Öffnung und Biegung zu schaffen und so ein symmetrisches Objekt zu bekommen. Das war fürs erste nicht schlecht gelungen. Die Platzierung der Griffe wurde dann später zusammen mit der Künstlerin bestimmt.

Beginn „Wäschekorb“. – Début « Panier à linge »

Die Idee für den verformten Wäschekorb war Johanna beim Flechten gekommen, als sie mit zusammengebundenen Staken die Fusskimme geflochten hatte: Wenn man nun bis zum Schluss mit zusammengebundenen Staken flechten und so die Öffnung bis zur Unbrauchbarkeit verkleinern würde???? – Für mich war hier das Problem, dass man beim starken Einwärtsflechten Mühe hat, ein schönes Geflecht UND eine schöne Form zu schaffen. Also baute ich eine Lehre mit einem Holzboden mit Löchern in der Seite. Darauf befestigte ich zwei Dachlatten und in der gewünschten Höhe schraubte ich den Weidenboden fest. Von 2 m langen Weiden schnitt ich die Spitzen weg und steckte das dünne Ende in die Löcher. Nach einer Kimme folgte eine Schicht mit Abschnitten, die mit dem dünnen Ende eingesetzt waren. Damit sie nicht wild im Raum herum hängen oder ständig herausfallen, hatte ich sie an der Spitze etwas zurückgeschnitten. Nach den Abschnitten folgten

Zuschlag auf dem „Wäschekorb“. – Bordure sur le « panier à linge »

mehrere Schichten 140er Weiden, ebenfalls mit der Spitze eingesetzt. Dies, bis ich unter dem Weidenboden angekommen war. Dort flocht ich eine Dreierkimme, in die ich die Bodenstöcke des Weidenbodens einband. Darauf folgte ein kurzer Zuschlag mit den Fussenden der Staken. Nun konnte ich die Bodenstöcke stumpf wegschneiden. Die Schrauben im Weidenboden löste ich nun und entfernte die Lehre indem ich die Staken entlang dem Holzboden durchschnitt. Die zu Beginn abgeschnittenen Spitzen der Staken steckte ich nun ins Geflecht und konnte nun einen Zuschlag flechten. Durch die Krümmung der Form wurden die Griffe stark nach innen geneigt und verstärkten so den befremdlichen Effekt. Der Korb steht am Schluss eigentlich verkehrt da, weil er von oben nach unten geflochten wurde. Weil ich die Schichten mit den Spitzen eingesetzt habe, sieht das auch der Profi erst bei genauerer Analyse. Johanna hat der Korb gefallen, aber er war ihr noch zu wenig „schräg“. Darum schlug sie vor, ihn auf ein Puppenwagengestell zu montieren. Wir haben das gemacht, aber das Gestell durch längere Dübelstäbe etwas gestreckt.

Am grössten, aber am einfachsten war der gekrümmte Holzkorb zu machen. Den habe ich mir zum Dessert gegönnt.

Die Ausstellung „Es läuft – vom Instandhalten der Dinge“ ist im Forum Schlossplatz Aarau zu sehen und dauert noch bis 17. Januar 2027 und hat ein reiches Begleitprogramm.

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