Korbflaschen flechten

Deckelsäule mit Rad. – Gaberit avec roue

Im Rundbrief des Vereins Flechtwerk in Deutschland waren Bilder von Korbflaschen zu sehen, die mich zur Annahme führten, dass die Art, wie man zweiteilige Korbflaschen flechtet, in Deutschland offenbar vergessen gegangen ist. Wir nennen sie bei uns Bonbonnen im Gegensatz zu den Demijons, die in einem Stück die kleineren Flaschen verkleiden. Ich habe dem Verein darum den untenstehenden Artikel mit den Bildern zur Verfügung gestellt.

Der Korb

Der Korb soll von der Grösse her Platz für eine Polsterung lassen, ohne die fertige Flasche übermässig zu vergrössern. In der Höhe soll er so gross sein, dass der Rand über die Einwärtsbiegung des Glases zu liegen kommt. Weil die alten Korbflaschen meistens einen durchgefaulten Boden hatten, habe ich irgendwann begonnen, die Böden aus druckimprägnierten Weiden zu flechten und mit Schleifleisten zu verstärken. Für die Weiterverarbeitung entscheidend ist aber, dass die Abschlusskimme nur mit 3 Weiden geflochten wird und der Zuschlag darüber innen den ersten Schlag hinter zwei macht. Auf diese Weise bilden wir einen vorstehenden Wulst nach innen, unter dem man den Deckel befestigen kann.
Dann stellen wir die Flasche gut gepolstert in den Korb und beginnen den Deckel zu flechten.

Der Deckel

Deckel in Arbeit. – Couverture en cours de réalisation

Der Deckel wird mit Hilfe einer Lehre geflochten, die wir in der Schweiz Deckelsäule nennen. Mein selbst gebasteltes Exemplar ist aus einem Rest eines Holzbalkens von 45 cm Länge gemacht. 18 cm vom einen Ende her habe ich rund herum eingeschnitten und einen grossen Teil des Holzes entfernt. Bei der Schnittfläche habe ich rundherum mit Sperrholzresten einen Rand gemacht, damit die Staken nicht ständig herausfallen können. Im dicken Ende habe ich einen 200 mm-Nagel mit Araldit eingeleimt. Damit wird die Säule am Werkbrett befestigt.

In der Mitte des dünnen Endes steckt ein 80er-Nagel. Auf dem läuft ein Rädchen, an welchem ich die Staken für den Deckel befestige. Rädchen habe ich verschiedene Grössen. Sie sind alle etwa 4 cm dick und haben eine ungerade Zahl von Lücken in welche ich die Staken stelle. In der Mitte haben sie rundherum eine Kerbe, in der ein satt angezogener Draht befestigt ist, der die Staken in den Lücken hält. Diese schneidet man vom Fuss her auf eine passende Länge (20 cm für den Hals + ein halber Korbø + 6 Stakenabstände aussen + 10 cm) und stellt sie mit dem dünnen Ende ins Rädchen. Bei grossen Lücken kann man je 2 hineinstellen, bei kleinen halt nur eine.

Fertiger Deckel mit Rad. – Couvercle fini avec roue

Nun biegt man die Staken über den Draht nach aussen und beginnt den Deckel mit einer 3er-Kimme nach aussen zu flechten. Wenn Paare vorhanden sind, kann man sie nach der ersten Runde separieren. Bei Einzelstaken flicht man die Kimme fertig und verdoppelt die Stakenzahl indem man welche in die langen Schläge der Kimme steckt, bevor man die Schicht einsetzt. Den Schichtweiden schneide ich die Spitzen ab (gleiche Länge) und setze sie mit dem dünnen Ende ein, damit ich die Fussenden aussen in den grossen Abständen habe. Der Deckel sollte am Ende unter den Rand des Korbes geklemmt werden. Ich messe also den ø unter dem Wulst und flechte den Deckel etwa 2.5 cm kleiner. Dann kommt ein Zuschlag h1, ü2, h1 darauf. Die Enden werden abgeschnitten und das Rädchen herausgeklopft.

Deckel montiert. – Couvercle monté

Montage

Nun kommt der Deckel mit der Öffnung über den Hals der Flasche und wird mit Hilfe eines starken Pfriems unter den Rand des Korbes gestülpt. Mit einer 3er-Kimme schliesse ich das Loch bis an den Flaschenhals und flechte diesen entweder mit Spitzen gemattet oder mit Schienen bis unterhalb der Verdickung, sodass noch Platz für eine kleine Fitze und den Rand bleibt. Als Rand kann man einen Kipprand machen oder, falls die Staken noch genug lang sind, einen kurzen Zuschlag h 1, ü1, h1. Halten tut beides, da die Weiden wegen der Flasche nicht nach innen ausweichen können.

Fertige Korbflasche. – Bonbonne finie

Variante

Wer sich keine Deckelsäule basteln will, weil er nur selten Flaschen einflechten muss, kann sich mit einem kleinen Weidenboden behelfen. Der wird vor der Montage herausgeschnitten. Wenn der Deckel montiert ist, steckt man die Staken für den Hals dazu und kann den Hals nun auch einflechten. Da man in diesem Fall nicht nur Stummeln, sondern längere Weiden zur Verfügung hat, besteht die Möglichkeit, den Hals sehr dekorativ mit einem Glockengeflecht zu verkleiden.

Korbflasche mit Glockengeflecht am Flaschenhals. – Bonbonne avec tressage à la hochette au goulot

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